Eindrücke aus Kasachstan/Almaty

Umgeben vom Tienschan liegt die ehemalige Hauptstadt der einstigen Sowjetrepublik Kasachstan. Seit 1993 heißt die Stadt Almaty, zuvor hieß sie Alma-Ata, was zu Deutsch etwa „Vater des Apfels“ bedeutet. Hier wurden einst die berühmten Aport-Äpfel angebaut und noch heute ist der Apfel als Symbol der Stadt allgegenwärtig. Dass in dieser ehemaligen zaristischen Garnisonstadt am 21. Dezember 1991 die sogenannte Alma-Ata-Erklärung – das endgültige Aus des sozialistischen Imperiums – unterzeichnet wurde, hätte zuvor wohl kaum jemand vermutet. Heute wurde diese Tatsache fast gänzlich vergessen sowie das Land selbst auch kaum Beachtung erfährt. Mehr als die Assoziation mit der Komödie Borat (Sacha Baron Cohen), die letztlich eine Parodie auf die US-amerikanische Gesellschaft ist, ist häufig nicht drin. Zwar ist Kasachstan in der deutschen Öffentlichkeit kaum ein Begriff oder Thema, doch wird das zentralasiatische Land von Beobachtern als der Tigerstaat der Region beschrieben. Die reichhaltigen Rohstoffvorkommen erlauben eine relative wirtschaftliche Stabilität und regionalen Handlungsspielraum.

Der Apfel als Symbol der Stadt.

Der Apfel als Symbol der Stadt ist allgegenwärtig.

Als ein Nachfolgestaat der Sowjetunion ist Kasachstan heute noch stark durch die sieben Jahrzehnte Sowjetdiktatur geprägt. Dies zeigt sich nicht zuletzt durch den Präsidenten Nursultan Nasarbajew selbst. Nasarbajew ist noch in der UdSSR unter Michail Gorbatschow eingesetzt worden und regiert seitdem ununterbrochen das Land. Kasachstan war die letzte der 15 Sowjetrepubliken, die sich am 16. Dezember 1991 für unabhängig erklärt hatte. Insgesamt verläuft die Loslösung vom russischen Einfluß durchaus bedacht und nur schrittweise. Kooperation, wo es als nötig befunden wird, bei sonstiger Betonung der Souveränität. Man versucht die verschiedenen Interessen der Großmächte wie China, Russland, USA, aber auch der Türkei oder der EU geschickt für sein eigenes Wohl auszuspielen. Nicht zuletzt lebt im Norden des Landes sowie in den Großstädten eine beachtliche russische Minderheit. Russisch ist nach wie vor Lingua franca, auch wenn der kasachische Staat verstärkt auf Kasachisch als Verwaltungs- und Mediensprache setzt. Auch soll das kyrillische Alphabet bis 2025 auf das lateinische umgestellt werden. Historisch spielt das Land aus bundesdeutscher Perspektive vor allem auch als Verbannungsort hunderttausender sogenannter Russlanddeutscher eine wichtige Rolle. Entsprechend entstamm ein Großteil der russlanddeutschen (Spät-) Aussiedler aus den Regionen in der heutigen Republik Kasachstan.

Eislaufbahn Medeo

Eislaufbahn Medeo 

1997 wurde die Hauptstadt in den Norden des Landes verlegt. Der ehemalige kleine Umschlagbahnhof Zelinograd wurde zur modernen Metropole Astana. Dennoch ist Almaty weiterhin das kulturelle Zentrum des Landes. Nicht zuletzt auch daran zu erkennen, dass viele der neuen Hauptstädter ihre Wochenenden lieber in Almaty verbringen. Und wer könnte es ihnen verübeln: Trotz der recht starken Luftverschmutzung durch die Autoabgase, steht Almaty in Lebensqualität europäischen Städten in Nichts nach. Zahlreiche Cafés und Bars, die vielen Museen und kulturellen Einrichtungen bieten reichlich Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Die Umgebung der Stadt bietet weitere phantastische Möglichkeiten, darunter Skifahren auf dem Schymbulak, Eislaufen auf der olympischen Eislaufbahn Medeo (190 Weltrekorde wurden hier aufgestellt), der Scharyn Canyon sowie die Kolsay-Seen im Grenzgebiet zu China und Kirgistan, oder Höhlenmalereien von Tamgaly (Weltkulturerbe-Stätten der UNESCO).

Scharyn Canyon

© Felix Riefer samisdatblog.org

Doch darf das alles, sowie die schicken Neubauten und die schmale Mittelschicht in den Metropolzentren, nicht den Blick auf die Menschenrechtslage, die Korruption (Platz 131, Korruptionsindex 2016) und die Realitäten eines postsowjetischen-autoritären Systems insgesamt, trüben.

Mehr in meinem Interview mit der Deutschen Allgemeinen Zeitung (DAZ), der Zeitung der deutschen Minderheit Kasachstans, die in Almaty herausgegeben wird.

DAZ Russlanddeutsche

Ebenfalls ist in der DAZ meine Analyse des Wahlverhaltens der „Russlanddeutschen“ zu finden. 

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