Nachlese zum #Weltbuchtag

Der Welttag des Buches ist natürlich etwas schönes. Auf der anderen Seite: braucht man wirklich einen Anlass um sich mit Bücher zu beschäftigen? Außerdem waren es bei den vorangegangenen #Leseempfehlungen auch nur fünf vorgestellte Titel. Schließlich diktiert einem die Erwartungshaltung, dass es eigentlich immer zehn Optionen („Top 10“) sein sollen… So war ich gezwungen die folgenden ebenfalls äußerst lesenswerten Bücher der Liste hinzuzufügen.

Excellent Sheep

von William Deresiewicz

Wie erhält man eine gute Bildung für ein sinnstiftendes Leben? Zunehmend weniger an den hochselektiven Universitäten, die Studenten nach Leistungskriterien ähnlich der von Personalabteilungen börsennotierter Unternehmen auswählen – wo sie möglichst tadellos funktionieren sollen. Dabei ist diese Auslese sowie die Schwerpunktsetzung an den Hochschulen tatsächlich kontraproduktiv sowohl für die Gesellschaft als auch für die Wirtschaft. Vieles läuft darauf hinaus, dass gerade in Eliteeinrichtungen – nicht nur in den USA – die Befähigung zum selbständigen Denken zu kurz kommt. Folglich gerät die Kompetenz sich Wissen selbständig anzueignen, insbesondere welches nicht unmittelbar anwendbar ist, in den Hintergrund.

Die Wandelbaren

Eleonora Hummel

Über das Leben der Deutschen in der Sowjetunion ist nicht nur hierzulande kaum etwas bekannt. Die sogenannten Russlanddeutschen wurden unter Stalin aus dem Westteil des Landes nach Sibirien oder eben nach Zentralasien deportiert. Während und im Nachgang der liberalen Politik der Perestroika unter Michail Gorbatschow siedelte der Großteil der Russlanddeutschen in die Bundesrepublik aus. Doch dieser Roman geht weiter und tiefer. Er veranschaulicht die Werdung des Deutschen Theaters im kasachischen Temirtau und schildert bildhaft die Geschichte der Gesichter sowie Schicksale dahinter.

Sechs Jahre sind die Ewigkeit

von Eduard Kotschergin

1945 in der Nachkriegssowjetunion. Noch immer herrscht Stalin. Ein Kind flieht aus einem Kinderheim in Sibirien. Das Heim ist für von vom Sowjetregime als „Feinde des Volkes“ stigmatisierte Kinder. Hierhin wurde Eduard Kotschergin, getrennt von seiner Mutter, gebracht. Noch spricht er kein russisch, denn seine Mutter ist Polin und sein russischer Vater wurde wegen der Beschäftigung mit der „bürgerlichen Wissenschaft Kybernetik“ verhaftet. Die Odyssee des Kindes ist autobiographisch – sie dauert sechs Jahre lang, denn sie ist absolut ungewiss und soll von Omsk zurück nach Leningrad führen…

Auf der Suche nach einer neuen Ordnung

von Ralf Dahrendorf

Die „tätige Freiheit“ war für den 2009 verstorbenen Sozialwissenschaftler und Politiker die „oberste Maxime“. Freiheit bedeutet die Abwesenheit von Zwängen und die Ermutigung zur Eigentätigkeit. Grundlage hierfür ist die stetige und weit mögliche Ausweitung der Rahmenbedingungen für die Verwirklichung von Lebenschancen. Dies ist nur in einer offenen Gesellschaft realisierbar. Ungleichheit ist in so einer Gesellschaft erträglich, solange niemand in die Lage versetzt wird, anderen die volle soziale Teilnahme abzusprechen. Dabei müssen auch die in Armut lebenden soweit gestützt werden um von ihren Bürgerrechten Gebrauch machen zu können. Die Grundlage für die Freiheit (der Lebenschancen) bleibt jedoch die eigenverantwortliche Tätigkeit.

Die Grenze

Erika Fatland

Nicht nur in Zeiten der sozialen Isolation ist Reiseliteratur beliebt. Nach ihrer Erkundung Zentralasiens ist der norwegischen Anthropologin im Traum eine riesige Landkarte erschienen. Auf dieser spazierte sie entlang der russischen Grenze. Wieder wach machte sie sich auf den Weg die gut 61.000 Kilometer zu erkunden. Erika Fatland verpackt ihre Erlebnisse mit historischen Fakten zum spannenden Infotainment. Ob man im Kreml wegen ihr von Einkreisung spricht?

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